Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Donnerstag, 20. Mai 1999

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Leichtfüssig und enthüllend

Orgelmeditation zum Schmunzeln

Sie sind schon bald eine feste Einrichtung in Romanshorn, die Orgelmeditationen als besinnliche Feier am Sonntagabend. Mit Sorgfalt kommentierte Martin Gantenbein musikalisch die von Gaby Zimmermann ausgewählten und von Toni Bühlmann vorgetragenen Weisheiten und Sprüche.

Martin Preisser

Es ist eine Kunst, mit bewusst gewählter Musik Sprache zu untermalen, die grössere Kunst noch, auch die Wirkung der Worte auf den Zuhörer für die musikalische Darstellung mit einzubeziehen. Dies gelang dem Organist Martin Gantenbein mit der feinziselierten, luftigen und witzigen, etwas unernsten, dafür aber immer ernsthaften Darbietung englischer Kontratänze und Kleinodien der Komponisten Joseph und Micheal Haydn sowie von Ludwig van Beethoven.

Fingerzeige, Zwischentöne

Das Seepferdchen auf der möglichst schnellen Reise ins Glück landet schliesslich im Rachen des Haifischs. Im Kontratanz sah man es quasi über die Orgeltasten hüpfen. Dass Kleider Leute machen, ist hinlänglich bekannt. Die Geschichte neu erzählt, macht prägenden Eindruck. Das Schöne des Abends: Die Weisheiten - teilweise auch aus der Bibel - kamen leichtfüssig daher und enthüllten ihren Tiefsinn, der zum nachdenklichen Schmunzeln einlud, wie unmerklich. Die immer pointierte, ja zeitweise getupfte Orgel gab Fingerzeige, Zwischentöne, ja Färbungen zum Gesprochenen.

Vernarrt ins Leichte

Mehr religiös dann die Geschichte von einem, der sich, nur mit Vertrauen auf Gott aus dem eigenen Sumpf ziehen will und nicht erkennt, dass sich Gott in menschlicher Gestalt helfend offenbaren könnte. Biblisch die Anekdote von Jesus und den Schriftgelehrten: Nicht-Wissen verwirkt das Recht auf falsche Fragen. Die Antwort darauf war ein nicht allzu grimmiger Beethoven mit einer kleinenOrgelperle, voll kecker Ideen, verspielten Imitationen. Die Orgel klang selbst verspielt, liebevoll vernarrt ins Leichte.

Weisheiten aus der Bibel

Auch das Alte Testament hält heitere Lebensweisheiten bereit, fordert uns auf, «das zu tun, wozu man Lust hat, es zu tun, wenn es nur recht ist». Martin Gantenbein tat, worauf er Lust hatte, und es war recht: Diese alttestamentarischen Sätze «alla marcia» noch etwas «einzuhämmern», ihnen eingängigen Nachdruck zu verleihen. Zum Wort, zum Rhythmus konnte man mit dem Kopf nicken, aber auch zur Kunst, mit einfacherer Musik musikalisch Feinsinniges zu kreieren und dem Wort an diesem Abend eine zusätzliche Pointe zu geben.

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