Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Donnerstag, 16. März 2000

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Das Nein-Sagen bejahen

Orgelmeditation mit Dupré und Franck

Die Orgelmeditationen sind eine feste Einrichtung im kirchlichen Leben von Katholisch Romanshorn. Der jüngste Anlass stand unter dem Motto «Sag nein!» Die Texte umrahmten gewichtige Orgelbeiträge der französischen Hoch- und Spätromantik.

MARTINPREISSER

ROMANSHORN. Hundertmal gedacht, verlässt das Nein als freundliches Ja den Mund. Zu einem entschlossenen Nein, das oft schwerer über die Lippen geht als ein «Ja» oder ein «Ja, aber», rief Gabriele Zimmermann in der meditativen Wort-Musik-Andacht auf. Die mit Bedacht gewählten Texte von Turini, Borchert, Gandhi und aus dem Neuen Testament bildeten den gesprochenen Schwerpunkt des Abends, der durch besondere Intensität und Sammlung

geprägt schien. Peter Turini sagt Nein zum Konsumterror, der das Land in Nicht-Orte verwandle, ein Nein zur Inszenierung einer perfekten Welt, in der «alles noch nicht genug» sei. Gewichtiger noch Gandhis Lebensregeln und das weltbekannte Nein-Gedicht von Wolfgang Borchert. Ein Aufschrei gegen Krieg und Unmenschlichkeit, ein Stück Literatur, das den Widerstand als Ergebnis moralischer Geradlinigkeit und als Akt des Gewissens einfordert.
Diese erschütternde Eindringlichkeit wollte musikalisch untermalt werden. Martin Gantenbein wählte von Marcel Dupré Entrée, Canzona und Sortie. Der Orgelanteil an dieser Meditation war schwergewichtiger. Feinfühlig registriert und plastisch durchhörbar gemacht, verlieh der Organist dem spätromantischen Tongeflecht mit seiner teilweise symphonischen Virtuosität tragende Ruhe und Aussagekraft. Gantenbein verfiel nie in rein klanglichen
Bombast, vielmehr wurden die Klangballungen sensibel vorbereitet und fliessend eingelöst.
Jesus widersteht dreimal den Verführungen Satans. Mit César Francks h-Moll-Choral wurde hier musikalisch der Meditation über das Bibelwort gedient, wurde die verbale Botschaft eindringlicher gemacht. Der Organist baute Steigerungen auch hier subtil auf; Variationsreihen über das Choralthema waren liebevoll und doch straff ziseliert.«Time out», Besinnungspause wollen diese Orgelmeditationen sein, die seit 1997 Akzente im Romanshorner Kirchenjahr setzen. Ausserhalb der verfliessenden, innerhalb der zeitlosen Zeit verweilen, ein Anhalten in Nachdenklichkeit, das gelang der Rezitation und der Musik immer wieder, an
diesem Abend eindringlicher und gefeilter.

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