Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Donnerstag, 9. November 2000

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Streitkultur statt falsche Ehrfurcht

Fundamentaltheologe Dietrich Wiederkehr ruft im Rahmen der Kreaktiv-Woche nach einer offeneren Kirche

Alte und neue Strukturen in der katholischen Kirche: Dietrich Wiederkehr machte mit zwei gegensätzlichen Kirchenverständnissen vertraut. Sein Votum für eine offene Kirche sprach dem Publikum aus dem Herzen.

martin preisser

romanshorn. Vom Kapuzinertum scheint Dietrich Wiederkehr seinen Humor und seine pointierte Art zu haben, als emeritierter Professor für Fundamentaltheologie eignet ihm die Fähigkeit zu klarer Situationsanalyse. Anhand der Fragenkreise Predigt, Liturgie, Amt, Papst und Ökumene zeigte er auf, wie so genannt traditionelle, das heisst vor dem zweiten Vaticanum herrschende Strukturen relativ jung sind und Aufbruchsgedanken in Richtung offene Kirche oft viel ältere, auf das Urchristliche zurückweisende sind.

Papst als «Zentraluhr»

Anstatt dass vierzig Jahre nach dem zweiten Vaticanum die neuen die alten Strukturen ablösten, diagnostizierte der Theologe eher eine Überlagerung zweier Systeme, zweier Organigramme, die Blockaden und Konflikte hervorrufen. Die rote Ampel stand in seinen Ausführungen für eine lehrende Kirche, die allein der Priester repräsentiert. Rot ist auch das hierarchische Verständnis von Liturgie mit seinen isolierten Sakramenten. In der traditionellen Ämterordnung dominiert die Männerkirche mit dem Zölibat als «achtes Sakrament». Der Papst fungiert hier als Zentraluhr, der in einem «einseitigen Stromkreis» Weisungen und Unfehlbares nach unten weitergibt. Dieses Selbstverständnis ist erst knapp hundertfünfzig Jahre alt. Ökumene im «roten» System heisst: Sie ist möglich, wenn sich andere Kirchen dem katholischen Primat unterordnen.

Ins Leben einbetten

Gibt diese traditionelle und von Johannes Paul II. zementierte Auffassung manch einem noch das Gefühl von Sicherheit und religiöser Ordnung, machte Wiederkehr die «grünen» Modelle von Kirche als die ursprünglichen, die kreativeren, vitaleren und zeitgemässeren transparent. Biete man sich gegenseitige Hörhilfe für Gottes Wort, bringe man sein Woher, seine Biografie, auch Alltägliches mit in den Gottesdienst hinein, entstehe eine ganz neue Glaubenserfahrung. Die mitgestaltete Liturgie als Mahlgemeinschaft schliesst sich hier automatisch an. Auch reiche die Weihe als Legitimation für gelungene Seelsorge heute nicht mehr aus. Die Sakramente müssten ins Leben eingebettet sein. Die Frage der seelsorgerischen Kompetenz werde in diesem offeneren Modell mit flexiblen Ämtern nicht mehr automatisch zugunsten der Priester entschieden. In den Fragen des Amtes, hier ganz besonders auch beim Thema Frauenordination, sei deshalb das Rotlicht von Rom besonders gross.

Weniger Zentralismus

Der Luzerner Fundamentaltheologe wünscht sich weniger Zentralismus im Vatikan und einen Papst, der als Bischof von Rom einer unter Gleichen ist, dem man von der Basis aus aber auch «die Post auf den Tisch knallen darf». Die moderne katholische Ökumene beinhaltet gegenseitigen Austausch und die Einheit in der Vielfalt. Von der einfachen Pfarrei bis nach Rom, die Kontroversen im Kirchenverständnis müssen auf den Punkt gebracht werden. Statt falscher Ehrfurcht wünscht sich Wiederkehr mehr Hartnäckigkeit und eine echte Streitkultur - dies immer im Bewusstsein, dass viele progressive Ideen eigentlich die ursprünglichen des Christentums sind.

Aus Kreisel herauskommen

Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann blieb bei der Symbolik des Strassenverkehrs. In Romanshorn gebe es statt Rotlichter Kreisel. Wichtig sei es aber, aus diesem auch immer wieder einmal herauszufahren.

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