Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Samstag, 11. November 2000

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Rom hat Angst vor den Menschen»

An der Romanshorner «KreAktivwoche» nahm Regionaldekan Erich Haering Stellung zu den Sorgen und Anregungen aus dem Kirchenvolk.

Martin Preisser

Romanshorn. «Chilezytraffer» nannte sich die zehnköpfige Gruppe vom Senior bis zum Schulkind, die das Gespräch in der Aula der Kantonsschule über das «Woher» und «Wohin» der katholischen Kirche mit fünf kurzen Szenen einleitete. Pia Szalatnay hat die eingängigen Texte geschrieben, die Erinnerungen an alte Formen des Katholischseins genauso wie aktuelle Fragen thematisierten.

Abwägend und integrierend

Ist die Institution Kirche zu gross für den wirklichen Inhalt, wird sie haltlos, wenn sie Traditionen aufgibt? Können wir unter den zentralistischen Strukturen Christentum vertieft leben? Wie weit wirft die Erklärung «Dominus Iesus» die Ökumene-Idee zurück?Abwägend und integrierend könnte man den Stil bezeichnen, mit dem Erich Haering, der für den Kanton verantwortliche Dekan, auf die Ängste, die Kritik, die Hoffnungen und Visionen des Publikums einging. Die katholische Kirche durchlebe eine Krisensituation. Haering sprach von «depressiver Stimmung» und «Lähmungserscheinungen», wenngleich auch vieles im Fluss sei und sich die Kirche mit ihren Strukturproblemen kaum von anderen Grossorganisationen unterscheide.

Verlustangst

Die starre römische Hierarchie brachte Haering mit Begriffen wie Verlustangst in Zusammenhang. Bei «Dominus Iesus» scheine es ihm, dass Rom Angst habe, sein Selbstverständnis aufgeben und Macht abtreten zu müssen. Die Erklärung zur Ökumene sei lehrhaft und einseitig auf die Philosophie des jetzigen Papstes aufgebaut. «Dominus Iesus» spiegele darüber hinaus zu wenig die dreissig Jahre ökumenischen Fortschritts.Dass die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt in den nächsten Jahren gelockert würden, schloss der Dekan aus. Der Priestermangel führt aber vermehrt dazu, dass die Geistlichen sich allzu stark auf administrative Aufgaben verlegen müssen. Und eines wurde ganz klar: Sollte eine Gemeindeleiterin plötzlich einmal die Eucharistie feiern, hätte das ihre sofortige Suspendierung zur Folge.

Auf Jugendliche zugehen

Die Krise der Kirche sei eine Krise der Gottesfrage, zitierte Haering einen deutschen Soziologen. Was ist der Kern des christlichen Glaubens heute? Können wir die Jugendlichen wieder abholen, wenn es wieder mehr um Inhalt als um Hierarchie und Struktur geht? Haering plädierte hier unter anderem für eine verstärkte Schulseelsorge. «Die Kirche muss auf die Jugendlichen zugehen und nicht umgekehrt.» Offen wurden die zahllosen Fragen in dieser Veranstaltung auf den Tisch gebracht, Ängste wurden verbalisiert, der Finger auf Spannungsfelder gelegt. «Warum hat Rom Angst vor den Menschen?» Nochmals: Es geht der Kirche auch um Machterhalt. Der Regionaldekan war überzeugt: Die alten Strukturen leben in einer Agonie. Vielleicht brechen sie zusammen wie das kommunistische Regime. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben sozusagen.

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