Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Dienstag, 11. Juni 2002

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Als Konzertorganist überzeugend vorgestellt

Seit kurzem ist Alexander Koschel Haupt- und Chororganist in Katholisch Romanshorn. Seine sensible gestalterische Kraft beim Debütkonzert liess aufhorchen.

Martin Preisser

Romanshorn hat nicht nur einen neuen Organisten, sondern auch einen exzellenten Musiker gewonnen. Alexander Koschels Konzert war eine Stunde exquisiten Hörgenusses. Mit dem Titularorganist von Weissenfels scheint eine wichtige musikalische Stimme in den Thurgau gekommen zu sein.

Strahlendes Klanggebäude

Koschel wählte für sein Rezital ausschliesslich romantische Musik, wobei die Sonate Nr. 8 in h-Moll, op. 178, von Gustav Adolf Merkel zu einer besonderen Perle geriet. Mit diesem Werk zeigte Koschel seine subtile Fähigkeit, Klangschichten nach und nach aufzutragen, umgekehrt dichtes Gewebe stets lebendig und feinsinnig zu entblättern und Klangblöcke sensibel abzuschattieren. Koschel ist ein Organist, der sehr auf Übersicht und ruhiges Fliessen des Klanges setzt, auch in komplexen Partien. Sein Spiel lässt den Zuhörer zur Ruhe kommen, ja man möchte Koschels Klänge als erhabenen, poetisch warmen Stil definieren. Vielleicht lag ihm deshalb diese interessante Musik Merkels, dessen Romantik und Virtuosität nie Feinsinn und Luzidität vermissen lässt. Besonders gelang Koschel das Adagio und die finale Passacaglia, in der er Baustein für Baustein setzte und das Klanggebäude strahlend zu konstruieren vermochte.

Eine echte Bereicherung

Eröffnet wurde der Orgelabend mit Musik von Mendelssohn. Und im Andante mit Variationen D-Dur liess Koschel die lichte Eleganz des Frühromantikers fein aufblühen. Besonders haften blieben auch die wunderschönen Momente, in denen sich der neue Organist in die Pianissimo-Passagen zurücknahm. Nach Merkel leitete ein verinnerlichtes Intermezzo einer Reichardt'schen Choralbearbeitung und ein Allegro von Heinrich Goetz über zu Musik von Max Reger, dem grossen Orgelmeister des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Hier kann ein Organist sein ganzes spieltechnisches und gestalterisches Können zeigen. Koschel hat reiche Kapazitäten, und er setzt diese vollumfänglich ein. Bei Regers Variationen und Fuge über «Heil dir im Siegeskranz» (die Nationalhymne des Deutschen Kaiserreichs und heute Grossbritanniens) demonstrierte Koschel sein Vermögen, mit dem er Klangmassen öffnen und wieder raffen kann. Unter kraftvoll vorwärts drängendem Gestus gab es kein Detail, das nicht variantenreich beleuchtet worden wäre. Die Reger-Fuge bestach durch wunderschöne Legato-Arbeit, sie war bei aller Triumphalität nie plakativ, sondern immer von belebter Transparenz. Koschel, der in Friedrichshafen lebt, dürfte für die Region eine Bereicherung sein, auf weitere Interpretationen darf man gespannt sein. Ein packendes Debüt.

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