Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Freitag, 26. Juli 2002

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pedalofahrt mit...

«Ich war noch nie im See baden»

Sie wäre wahrscheinlich gerade so gerne in ein Café gegangen, aber dank dem strahlenden Sommermorgen setzt Gaby Zimmermann ihren Fuss auch ins Pedalo - zum ersten Mal hier in Romanshorn. Die Fahrt geht über einen glatten See, zum Hafen hinaus und dann nach rechts, wie die katholische Theologin entscheiden darf, «damit die Sonne nicht blendet».

«Im See baden war ich noch nie.» «Diesen Sommer?», frage ich. «Nein, überhaupt noch nie.» Aber schwimmen könne sie schon, versichert die Unkomplizierte. In Köln, mitten in der Stadt, gebe es halt nicht viele Seen, meint sie sich entschuldigen zu müssen. «Ich hätte mir nie vorstellen können, nicht in einer Grossstadt zu leben. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, in einer grossen Stadt zu leben.» Im Herzen Kölns ist sie zusammen mit ihren Eltern und dem Bruder, der heute Arzt in Düsseldorf ist, aufgewachsen. «Heute brauche ich die Ruhe, die  Weite und verbindliche Beziehungen, wie sie in einem kleineren Ort eher gelebt werden. Das tut der Seele besser als die materielle Welt einer Grossstadt.»

BAP und die Gitarre

Mit der Kölnerin Gaby Zimmermann kommt man natürlich auf BAP zu sprechen, die Kölner Band, welche ihre Jugendzeit wie so viele andere ihrer Generation begleitete. «Ja, natürlich höre ich die heute noch gerne, ich habe vielleicht auch zwei Platten und war an zwei Konzerten.» Musikhören gehöre aber nicht zu ihrem Alltag - wenn schon spiele sie selber mal etwas Gitarre. Es dauert aber auch nicht lange, spricht man mit Gaby Zimmermann über die Religion - es ist ihr Lebensthema. Als Kind von den Eltern geprägt, ganz selbstverständlich in alle Jugendgruppen hineingewachsen, entschied sie sich für das Theologie-studium in Luzern, kam so in die Schweiz und ist bis heute geblieben. «Heute gibt es eine ganz grosse Bandbreite von Kirchenbildern bei den Katholiken», spricht eine, die über ihr Thema schon viel philosophiert hat - und eine der wenigen Frauen in dieser Position in der Kirche ist. «Ich gehöre zu jenen, die Reformen befürworten, und es tut mir weh, dass so wenig passiert, dass manchmal eher wieder ein Schritt zurückgemacht wird.» Sie fühle sich frei und unabhängig, ihre Meinung zu sagen, und tue dies auch immer wieder auf der Kanzel. Kirche bedeute für sie, mit Leuten gemeinsam auf dem Weg zu sein, die auch mitgehen wollen. «Viele möchten im religiösen Bereich eine Heimat haben, mit Menschen zusammen, die einem wohlgesinnt sind.» Die Kritische weiss, das diese Heimat für viele nicht mehr die Kirche ist. «Man kann sich überall für das Reich Gottes einsetzen, auch in der Kirche», zitiert sie denn auch schmunzelnd einen bekannten Spruch.

Eine Kreative lernt verwalten

Hier sitzt man mit jemandem im Boot, der das grösste Verständnis hat für das Hadern an der Institution, gleichzeitig aber nichts anderes tun kann - und das in der Kirche tun will -, als sich für soziale Gerechtigkeit, die Umwelt und die Mitmenschen einzusetzen. Neben ihrem Beruf, der gleichzeitig auch Lebensaufgabe ist, bleibt nicht viel Zeit für Privates. «Es ist aber auch ein Privileg, dass Beruf und private Interessen eigentlich deckungsgleich sind.» Wenn sie Zeit hätte, würde sie vielleicht gerne in einer Guggenmusik mitspielen, meint die Humorvolle. Sie sei eigentlich ein kreativer Mensch, schreibe Lieder, Sketche, «ich habe eine ganze Schublade voll davon». Aber hier in Romanshorn, wo sie vor bald sechs Jahren als Gemeindeleiterin im Team mit Pfarrer Toni Bühlmann gewählt wurde, habe sie auch gelernt, zu organisieren und zu verwalten. «Ich verstehe mich als jemanden, der die Fäden zusammenhält, nicht als Chefin», sagt sie. Hier hat sie auch einen Bruch in ihrer Biografie erlebt. Gaby Zimmermann spricht offen über ihre Scheidung, kann das auch, weil sie damals und heute wusste und weiss, dass sie ehrlich zu sich ist. «Nie habe ich in dieser Zeit direkt etwas Kritisches von meiner Pfarrei gehört.» Für viele sei es ein Trost gewesen, dass so ein Verlust auch einer Theologin geschehen könne, sie sei sehr ermutigt worden. «Ich habe mir das für mein Leben so auch nicht vorgestellt.»

Musse für den Garten

Träume? Gibt es keine grossen in ihrem Leben. Gaby Zimmermann ist jemand, der jetzt das lebt, was ihr wichtig ist. Was ihr heute so viel gibt, die Arbeit im Garten, das würde sie vielleicht gerne noch vertiefter machen, mehr Zeit und Musse haben dafür, Gärten gestalten, einen Blumengarten haben, sagt die Bescheidene. Und dazu schreiben. «Was ich aber immer machen möchte, ist, mich zu engagieren für das, was mir wichtig ist.» Sagts und tritt gelassen in die Pedalen dem Hafen zu.   Mitgefahren:   Christa Kamm-Sager

Heute: Gaby Zimmermann

In unserer Sommerserie laden wir Romanshornerinnen und Romanshorner zu einer Pedalofahrt ein. Die Weite des Sees, der Blick von aussen auf «die Stadt am Wasser» sollen Inspiration sein für ein persönliches Gespräch, das bekannte Personen einmal von einer anderen Seite zeigt. Teil 1: Gaby Zimmermann, Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei.  red

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