Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Freitag, 17. Januar 2003

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Gott billig loben

Hintergründe zum Rücktritt von Haupt- und Chororganist Alexander Koschel in Katholisch Romanshorn

romanshorn. Überraschend sei die Demission von Alexander Koschel gekommen, behauptete im November eine Pressemitteilung der katholischen Kirche. Streitigkeiten schwelten allerdings schon länger. Viele Probleme im Konflikt scheinen hausgemacht.

MARTIN PREISSER

«Ich bin kein Gegenstand, den man bei Bedarf hin- und herschiebt, und keine ‹Musikbox›, aus der man für ein paar Rappen hochwertige Musik geliefert bekommt», schreibt Alexander Koschel an den Präsidenten der katholischen Kirchenvorsteherschaft, Cyrill Bischof. Kaum ein paar Monate hier, hat Koschel, dessen zwei Konzerte am Ort aufhorchen liessen, frustriert schon wieder das Handtuch geworfen. Die Bemerkung in der offiziellen Pressemitteilung vom November, er sei für das Amt überqualifiziert, lässt Koschel nicht gelten. Er hält sie für eine Ausrede.

«Ein Affentheater»

Alexander Koschel kam nach Romanshorn, ohne sich über die beschränkten finanziellen und pensenmässigen Möglichkeiten eines Hauptorganisten wirklich zu informieren. Ein Fehler? «Ich bin jemand, der erst einmal zeigen will, was er kann, und dann verhandelt. Ich wollte überzeugen und mich dann entfalten.» Koschel ist empört, dass sich Romanshorn als eine der wenigen Gemeinden im Kanton bei der Besoldung nicht an die Richtlinien des Katholischen Kirchenmusikverbandes oder des ökumenischen Thurgauer Organistenverbandes hält. Kleinere Kirchgemeinden im Kanton, bei denen Koschel Dienst tut, zahlen ihn wesentlich besser. Offiziell ist allerdings keine katholische Kirchgemeinde an diese Richtlinien gebunden. Ein «Affentheater» sei die Besoldung der katholischen Organisten im Thurgau, sagt der Frauenfelder Organist Bruno Sauder. «Die Musiker haben keine Rechte, sie sind vom Goodwill der jeweiligen Gemeinde abhängig.» 

Gespaltene Anhängerschaften?

«Wir sind nicht Zürich. Und der Preis des Organisten ist für uns ein wichtiges Anstellungskriterium», sagt Cyrill Bischof von der Arbeitgeberseite. Koschel fühlt sich getäuscht, nicht nur der Besoldung wegen. In einem Brief an Bischof fordert er ab 2003 die Übergabe sämtlicher Kasualien (Trauungen, Abdankungen), eine Pensumssteigerung um mindestens 25 Prozent und die «Festsetzung eines Zeitrahmens bis Ende 2003, nach dem ich als Hauptorganist das Pensum meines Vorgängers entsprechend der Zusage der Kirchenvorsteherschaft in voller Höhe übernehmen werde.» Eigentlich sei dies schon für Anfang 2003 versprochen worden. Über einen so klar definierten Zeitrahmen wollen die Verantwortlichen heute nichts gesagt haben. «Wir wollen einen lang gedienten Organisten nicht einfach vor die Türe stellen», sagt Cyrill Bischof. «Er darf so lange spielen, wie er mag und wie er kann», doppelt Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann nach. Gemeint ist Kurt Hasler, er spielt seit 1958. Und hat derzeit nach Angaben seines Kollegen Koschel 75 Einsätze samt Kasualien (Hauptorganist Koschel bestreitet lediglich 50 Einsätze). Seit Jahrzehnten hat der Laienorganist und pensionierte Lehrer Hasler eine massive Anhängerschaft in der Kirchgemeinde. Insider, die namentlich nicht genannt sein wollen, berichten von Problemen, die es immer wieder zwischen Hasler und den jeweiligen Hauptorganisten gegeben habe. Von gespaltenen Anhängerschaften ist die Rede. Koschel hatte persönlich mit Hasler keine Probleme, hat aber nach eigenen Aussagen nur ein Jahr Wartezeit akzeptiert, um sein Pensum nach einem allfälligen Rückzug Haslers wegen gesundheitlicher Probleme definitiv zu vergrössern.

Kommunikationsprobleme

Insgesamt teilen sich in Romanshorn die kirchenmusikalischen Aufgaben mehr als ein halbes Dutzend Musiker. Da bleibt für den Hauptorganisten ein zu kleines Segment. «Da gibt es für einen Organisten wie Koschel wenig Entfaltungsmöglichkeit», sagt Roberto Alfarè, Präsident des Katholischen Kirchenmusikverbandes im Thurgau. Romanshorn werde Schwierigkeiten haben, einen neuen Organisten zu finden und vor allem zu halten, da der Kuchen einfach auf zu viele verteilt sei, analysiert er die Lage. Dass die Situation nicht ideal sei, gibt auch Gaby Zimmermann zu. Fernziel der Kirchgemeinde sei ein Hauptorganist und ein Vertreter. Alexander Koschel sprang oft für Kurt Hasler ein, wenn dieser kurzfristig ausfiel. Er hätte es aber bald leid gehabt, «immer den Feuerwehrmann spielen zu müssen». Neben der Pensen- und Besoldungsfrage gab es eine Reihe weiterer Konfliktpunkte um die Rechte und Pflichten eines Haupt- und Chororganisten, beispielsweise im Streit um die Bezahlung der Begleitung von Drittchören. «Ich akzeptiere nicht, dass man für mich entscheidet, welche über mein Aufgabenfeld hinausgehende Einsätze zu welchen Bedingungen erfolgen sollen», heisst es hierzu im schon zitierten Brief Koschels an Bischof. Vieles weist auf grundlegende Kommunikationsprobleme hin. Ein zunehmend gereizter Briefwechsel zwischen Koschel und seinen Arbeitgebern bietet da klare Indizien.

«Nicht für ein Butterbrot»

Gaby Zimmermann fasst es so zusammen: «Was Alexander Koschel nach seiner Anstellung erwartet hat, konnten wir so nicht erfüllen. Wir waren mit ihm nicht unzufrieden, haben aber, da er selbst gekündigt hat, auch keinen Erklärungsnotstand.» Koschel selbst hat jedenfalls keine Lust mehr, «für ein Butterbrot zu spielen» und «Gott billig zu loben», wie es ehemals in einem Kirchenlied hiess. Seine Möglichkeiten, sich im Ort breit, das heisst nicht zuletzt auch künstlerisch zu engagieren, waren offenbar von Beginn an zu beschränkt, gerade auch wegen alter, festgefahrener Strukturen.

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