Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St. Galler Tagblatts vom Mittwoch, 26. März 2003

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Gottes Lohn reicht nicht mehr

Kirchgemeinden im Spannungsfeld zwischen Professionalisierung und immer weniger Steuerzahlern

Den Kirchgemeinden stehen unbequeme (Personal-) Entscheide bevor. Das Geld wird zunehmend knapper, für Gottes Lohn will aber niemand mehr arbeiten.

Markus Schoch

Die Entwicklung ist äusserst ungünstig für die Landeskirchen. Sie verlieren ständig Mitglieder und damit Steuerzahler. Besonders betroffen sind die Protestanten mit einem Minus von acht Prozent in den letzten zehn Jahren. Gleichzeitig wird der Kirchenbetrieb immer professioneller, sprich teurer. Die Zeiten der ehrenamtlichen Helfer sind vorbei. Zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, die das belegen: Das Präsidium der evangelischen Kirchgemeinde Arbon liess sich erst besetzen, nachdem die Behörde das Amt als 30-Prozent-Stelle ausgeschrieben hatte. Und für die Sonntagsschule in Sulgen finden sich keine neue Leiterinnen - schon fast der Normalfall.

Was tun in dieser Situation? Eine Arbeitsgruppe der evangelischen Synode des Kantons Thurgau wird sich in den nächsten Wochen und Monaten aufgrund eines Vorstosses im Kirchenparlament mit dieser Frage beschäftigen müssen, auch wenn ihre eigentliche Aufgabe eine ganz andere ist. Verlangt wird ein Entscheid im härter werdenden Verteilkampf um die schrumpfenden Mittel.

Bestandesgarantie verlangt

Die Motion will, dass der Kirchenmusik «wieder die ihr zustehende Bedeutung beigemessen wird». Die Kommission soll sich über Formen und Inhalte unterhalten sowie die Anstellungsbedingungen der Kirchenchorleiter und Organisten verbindlich festschreiben: Ihre Verbände fordern eine verfassungsrechtliche Bestandesgarantie mit Rechten und Pflichten. Dabei geht es um die grundlegende Frage: Was muss und kann sich die evangelische Kirche noch leisten? Die kirchenmusikalischen Belange sind nirgends im Detail geregelt. In der Kirchenordnung steht einzig, dass Pfarrer und Vorsteherschaft zuständig sind. Bis vor einigen Jahren spielte das keine grosse Rolle. Kaum jemand stellte die Kirchenmusik(er) ernsthaft in Zweifel. Und über Stilrichtungen musste man sich nicht unterhalten - es gab nur das traditionelle Liedgut.

Druck nimmt zu

Heute ist das anders: In Romanshorn wurde vor kurzem Organist Matthias Blumer entlassen. Offizieller Grund: «Fehlende Vertrauensbasis». Sein Kollege in der katholischen Kirche, Alexander Koschel, räumte freiwillig seinen Platz. Dabei ging es um Geld- und Gestaltungsfragen. Vermehrt unter Druck stehen auch die Kirchenchöre. So schlossen sich auf Drängen der Behörde diejenigen von Bischofszell und Hauptwil zusammen. Zwei waren ihr zu teuer. Und am letzten Sonntag lag in Sitterdorf-Zihlschlacht ein Sparantrag der Vorsteherschaft auf dem Tisch, der die Zuschüsse an den Chor halbieren wollte.

In der Defensive

Die traditionelle Kirchenmusik ist in der Defensive: Die Zahl der Kirchenchöre nimmt stetig ab. Aktuell sind es noch 34 mit gegen 900 Mitgliedern. Viele sind überaltert. Der eine oder andere musste mangels Nachwuchs bereits aufgelöst werden. «Wir haben ein Problem», will Verbandspräsident Hermann Stamm die Situation nicht schönreden. Kommt hinzu, dass die Zeiten vorbei sind, als ein Lehrer in seiner Freizeit für ein Zubrot auch noch den Dirigentenstab schwang. Auf Stelleninserate melden sich oftmals nur noch hochqualifizierte Bewerber. Und die haben ihren Preis. Die genau gleiche Entwicklung hin zur Professionalisierung lässt sich gemäss Verbandspräsident Daniel Walder auch bei den Organisten beobachten. Die Musiker haben auf ihrem Gebiet oft eine ähnlich umfassende Ausbildung wie die Pfarrer.

Gemeinden frei

Heute sind die Vorsteherschaften der evangelischen Kirchgemeinden im Thurgau frei in Bezug auf die Besoldung der Kirchenmusiker. Die Verbände erlassen lediglich Empfehlungen. Die meisten Gemeinden im Thurgau halten sich zwar daran. Doch wie lange noch angesichts knapper werdender Steuergelder, fragt sich Walder. «Wir müssen heute darüber reden.» Stamm ist gleicher Meinung.

Nur Richtlinien

Der Schweizerische Kirchengesangsbund erlässt Richtlinien für die Besoldung von Chorleitern. Je nach Status (Laie oder Berufsmusiker) beziehungsweise Ausbildung der jeweiligen Personen variieren die Ansätze zwischen 5499 Fr. und 10 881 Fr. pro Jahr. Geknüpft sind sie an 42 bis 45 Proben jedes Jahr und ein Auftritt pro Monat.

Für die Organisten geben die reformierten Kirchenmusikerverbände Empfehlungen heraus, wobei darin keine Zahlen genannt werden. Das volle Pensum eines Organisten entspricht einer 25-Prozent-Stelle. Im Fall von Berufsmusikern sollen sich die Gemeinden an Gymnasiallehrer orientieren, bei Laien an Katecheten. (mso)

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