Katholische Pfarrei Romanshorn
Details zu den einzelnen Fotos? - Klicken Sie darauf!
Pfarramt+Kontakt+Adressen Pfarramt + Kontakt + AdressenSitemap SitemapImpressum Impressum

Archiv des St. Galler Tagblatts vom Freitag, 11. April 2003

Zum Medienspiegel / Zum Originalartikel

«Die Dinge auf den Punkt bringen»

«Blick»-Chefredaktor Werner De Schepper sprach auf Einladung der beiden Kirchgemeinden in Romanshorn

Wann ist Kampagnenjournalismus legitim? Warum sind die meisten «Blick»-Schlagzeilen negativ? «Blick»-Chef-redaktor Werner De Schepper wurde in Romanshorn mit vielen Fragen zum Boulevardjournalismus konfrontiert.

daniel walt

«Verstehen verändert» - unter diesem Motto steht die diesjährige ökumenische Kampagne der Hilfswerke. Weil die Menschen das Geschehen im Dorf, im Land und auf der Welt zu einem grossen Teil über die Printmedien wahrnehmen und einzuordnen versuchen, hatten die Kirchgemeinden «Blick»-Chefredaktor Werner De Schepper eingeladen, über den Einfluss der Zeitungen auf die Meinungsbildung zu sprechen.

«Wir treten nicht nach unten»

Möglich wurde das Engagement des studierten Theologen aufgrund seiner Bekanntschaft mit der katholischen Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann - De Schepper wuchs in der Pfarrei St.Marien bei Olten auf, in der Gaby Zimmermann lange gewirkt hatte. «Ich war schon früher davon fasziniert, wie man schwierige Sachverhalte einfach darstellen kann. Volksgriechisch beispielsweise hat mir immer mehr gefallen als schwierige platonische Schriften», sagte Werner De Schepper einleitend. Er hielt fest, dass in der Bibel ebenso wie im «Blick» kurze, prägnante Geschichten über alle Bereiche des menschlichen Lebens im Zentrum stünden.

Medienethik ein Thema

Aufgabe des «Blicks» sei es, komplizierte Sachverhalte klar auf den Punkt zu bringen, so De Schepper weiter. Er verwies etwa auf vom «Blick» geprägte Begriffe wie «Rentenklau» oder «Versagerrat», die andere Medien dann übernommen hätten. «Vor einer Kampagne ist aber eine Güterabwägung nötig. Wenn der Schaden, den Leute anrichten, derart gross wie etwa beim Swissair- oder dem Pensionskassen-Debakel ist, ist es unsere Pflicht, darauf aufmerksam zu machen», so De Schepper. Er sprach sich aber klar gegen Kampagnenjournalismus auf dem Buckel von Schwächeren aus. «Für mich ist es selbstverständlich, nicht nach unten zu treten», so De Schepper, der betonte, dass wohl in keiner anderen Zeitung derart viele Diskussionen über die Medienethik geführt würden wie beim «Blick».

Kontrollfunktion der Medien

In der Fragerunde forderten zahlreiche Zuhörer den «Blick»-Chef mit kritischen Fragen heraus. Ob er es richtig finde, dass in der «Blick»-Redaktion so viel Macht konzentriert sei, dass neu gewählte Politiker oder Trainer zunächst einen Antrittsbesuch auf der Redaktion machten, um sich eine wohlwollende Berichterstattung zu sichern, so eine Frage. «Der Blick hat sicher Macht, weil er von vielen gelesen wird. Durch die starke Nutzung von TV oder Internet ist sie so gross aber auch wieder nicht», relativierte De Schepper. Die Frage, warum der «Blick» nicht mehr positive Schlagzeilen mache, beantwortete De Schepper mit dem Hinweis auf die Kontrollfunktion der Medien. «Es ist klar, dass ein spezieller Fokus auf dem liegt, was schief läuft», hielt er fest. Er verwahrte sich aber gegen den Vorwurf, die Schlagzeilen würden wegen der Auflage gemacht. «Wenn wir eine grosse Schlagzeile machen, im Artikel aber nichts bieten, wird der Leser den ‹Blick› kein zweites Mal kaufen», so De Schepper, der auch dafür eintrat, zu allfälligen Fehlleistungen zu stehen und sich wenn nötig dafür zu entschuldigen.

Motto ging etwas unter

«Verstehen verändert» - auch zum diesjährigen Fastenopfer-Motto war eine Diskussion zwischen Werner De Schepper und den Romanshornerinnen und Romanshornern geplant. In der Diskussion wurden aber vor allem Fragen zum «Blick»-Stil und zum Boulevardjournalismus allgemein thematisiert, sodass das Fastenopfer-Motto etwas unterging. (dwa)

Person

Werner De Schepper

Werner De Schepper wurde 1965 in Belgien geboren und kam als Kleinkind in die Schweiz. Nach einem Studium in Theologie, Medienwissenschaften und Journalistik machte er erste Erfahrungen als Agenturjournalist. Nach einer Reportertätigkeit bei der «Schweizer Illustrierten» wechselte De Schepper zum «Sonntagsblick». Vor drei Jahren kam er zum «Blick», den er seit dem 1. Februar als Chefredaktor leitet. (dwa)

Zum Medienspiegel / Zum Originalartikel

Homepage St. Galler Tagblatt