Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St.Galler Tagblatts vom Samstag, 27. Dezember 2003

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«Niemand versagt überall»

Stimmungsvolle ökumenische Weihnachtsfeier mit einer Weihnachtsgeschichte der besonderen Art

Liebevoll hat das Vorbereitungs-team, bestehend aus Gemeindegliedern der evangelischen Kirchgemeinde, einen Raum des Kirchgemeindehauses für die ökumenische Weihnachtsfeier hergerichtet. Auf zwei zusammengeschobenen Tischen stehen Salzstängeli, Pommes Chips und Getränke bereit. Der Duft von drei roten Kerzen erfüllt den Raum. Jede Besucherin, jeder Besucher wird von Henriette Engbersen mit einem Händedruck begrüsst und mit einem vorbereiteten Namensschild ausgestattet. «Maria, muesch no en Zettel go hole, wirsch no aa-gschriebe», ruft eine Frau, die schon auf einem Stuhl sitzt, einer Bekannten zu, die sich an Henriette Engbersen vorbeigeschlichen hat - an der ökumenischen Weihnachtsfeier, die erstmals am Mittag des ersten Weihnachtstages stattfindet, soll jeder aus der Anonymität des Alltags heraustreten und als eigenständige Person wahrgenommen werden.

Kein Platz für Hektik und Stress

Es ist bereits gegen 12 Uhr. Man ist im Vergleich zum Fahrplan etwas in Verzug, noch fehlt mit Toni Bühlmann und Gaby Zimmermann die Abordnung der katholischen Kirchgemeinde. Ein Zwischenfall im Gottesdienst hat sie aufgehalten. Doch das ist kein Problem, für Hektik und Stress ist an Weihnachten kein Platz. Diakon Martin Nägele macht mit Knabbereien und Orangensaft die Runde. Es bleibt viel Zeit für Gespräche. Leise klingen weihnächtliche Melodien aus einem Kassettenrecorder - so richtig wahrzunehmen sind sie aber nur, wenn die Gespräche für kurze Zeit verstummen. Sobald sie wieder anheben, taucht die Musik wieder ins sonore Gemurmel ein.

Erinnerungen werden wach

«Ganz verschiedene Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Lebensgeschichten sind heute zusammengekommen. Eines verbindet sie: der Wille, miteinander ein Fest zu feiern», begrüsst Diakon Martin Nägele die rund 30 Anwesenden und lädt sie kurz darauf ein, in den Nebenraum zu dislozieren. Dort ist alles für ein festliches Mittagessen vorbereitet. Die Gäste setzen sich, Tabea Schöll spielt Klavier. Im Glanz eines Christbaums liest Ursula Nägele dann die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vor. Andächtig hören die vorwiegend älteren Menschen zu. Beim einen oder anderen mögen die Weihnachtsgeschichte und der Kerzenschein Erinnerungen an einen lieben Menschen wecken, mit dem man früher Weihnachten gefeiert hat und der nicht mehr da ist. Bald aber verfliegen die traurigen Gedanken, als der kleine David Nägele, begleitet von Tabea Schöll auf dem Klavier, auf seiner Blockflöte eine bekannte Weihnachtsweise präsentiert.

Der Glaube an die Zukunft

Beeindruckend dann die Geschichte, die Martin Nägele über John Pierpont erzählt. «John Pierpont starb 1866 im Alter von 81 Jahren, und das als Versager», so Nägele. Nägele listet in der Folge die Berufe auf, in denen Pierpont erfolglos zu reüssieren versuchte: Als Lehrer war er zu nachsichtig mit seinen Schülern, als Rechtsanwalt zu grosszügig zu seinen Klienten und als Textilkaufmann zu freizügig mit Krediten. Auch als Gedichteschreiber hatte Pierpont keinen Erfolg: Er erhielt für seine Verse nicht genug Tantiemen, um davon leben zu können. Als Geistlicher setzte er sich in der Folge gegen die Sklaverei ein, musste aber bald auf Druck einflussreicher Mitglieder seiner Gemeinde zurücktreten. Auch als Politiker blieben ihm später höhere Weihen versagt, sodass er als kleiner Finanzbeamter endete. «In einem sehr wichtigen Sinne aber war John Pierpont kein Versager. Jedes Jahr im Advent feiern wir seinen Erfolg, wenn wir das Lied ‹Jingle Bells› singen, das er geschrieben hat. Wer so ein Lied geschrieben hat, ist kein Versager», erzählt Martin Nägele. Stummes Nicken einiger älterer Menschen. Zweifellos: Auch sie haben schon Momente erlebt, in denen sie sich als Versager gefühlt haben. Geeint im Glauben, dass kein Mensch in allem ein Versager ist und dass an Weihnachten der Moment gekommen ist, wieder vermehrt an sich und seine Zukunft zu glauben, geniessen sie in der Folge das köstliche Weihnachtsessen und die Momente des Beisammenseins.   Daniel Walt

Wörtlich

Eindrücklich

Ich habe beschlossen, die ökumenische Weihnachtsfeier zu besuchen, weil die Feier bei meinem Neffen ausgefallen ist. Weihnachten bedeutet für mich, im Kreis von anderen Menschen zu feiern. Die Atmosphäre hier hat mir gefallen, man hat den Zusammenhalt unter den Menschen gespürt. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der jungen Menschen im Vorbereitungsteam. Auch die Geschichte von John Pierpont fand ich eindrücklich. Selbst wenn man sich hie und da als Versager fühlt, kann man für andere etwas geleistet haben. (dwa)

Anneliese Zack (80) Weihnachtsfeier-Besucherin

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