Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv des St.Galler Tagblatts vom Samstag, 21. Februar 2004

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Das System entlasten

«Ist Alter noch bezahlbar?» - Podiumsdiskussion in Romanshorn

romanshorn. Soll das Alter bezahlbar bleiben, braucht es die Anstrengungen aller Altersgruppen und die der Politik, so der Konsens des Podiumgesprächs der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Romanshorn.

Markus Bösch

Die Altersvorsorge steht unterdessen auf Platz drei des Sorgenbarometers der Schweizer Bevölkerung. Unter anderem auch, weil die Finanzierung des Alters und der Pflege im Alter zunehmend in Frage gestellt ist. Petra Müller, Versicherungsfachfrau, Silvia Tobler, Stellenleiterin der Pro Senectute Romanshorn, Brigitte Stahel, Berufsschullehrerin im Pflegebereich und Kantonsrat Hannes Stricker informierten in einem Podiumsgespräch der katholischen Arbeiterbewegung über die Fakten, Möglichkeiten und Zukunftsaussichten in der Altersvorsorge. In einer ersten Umfrage äusserten sich die rund 70 Zuhörer.

Pessimistischer Grundton

Eine Mehrheit glaubt, dass die AHV-Leistungen in Zukunft gleich bleiben werden und dass die Gesundheitskosten auch in den nächsten 20 Jahren noch steigen werden. Petra Müller versuchte die Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Änderungen der Zins- und Umwandlungssätze, die steigende Lebenserwartung und die zunehmende Zahl der Frühpensionierten rückten immer mehr in den Vordergrund bei den Fragen der Diskutierenden. Zu denken gebe auch die Tatsache, dass eine Mehrheit der Heimbewohner auf Ergänzungsleistungen, Sozialhilfe oder Verwandtenunterstützung angewiesen seien. Mit den gleichen Zahlen zeichnete auch Silvia Tobler ein aufrüttelndes Bild: «Ob das Alter bezahlbar ist oder bleibt, hängt auch vom Zivilstand ab.» Sie setzte fort, dass Ergänzungsleistungen zu 32 Prozent von geschiedenen Personen bezogen würden. Fast 11 Prozent der AHV-Rentner im Thurgau seien angewiesen auf solche Leistungen, wobei drei Viertel dieser Ausgaben von Kanton und Gemeinden getragen werden.

Wer pflegt in Zukunft?

Auf politischer Ebene sei dies ein Grund mehr, das im Mai zur Abstimmung gelangende Steuergesetz abzulehnen, ist Hannes Stricker überzeugt. Ergänzungsleistungen werden durch Steuergelder erst möglich. Nichtsdesto- trotz sei in der geschilderten Problematik auch festzuhalten, dass die Bevölkerung je länger desto gesünder altert. «90 Prozent der über 65-Jährigen leben zu Hause. Pflege nehmen vor allem die über 80-Jährigen in Anspruch», so Brigitte Stahel. «Für mich stellt sich die drängende Frage, wer denn in Zukunft noch pflegen wird und wer dies bezahlt.» Bei derzeit einem Drittel Einzelhaushalten und 60 Prozent Menschen, die keine Nachkommen haben, eine berechtigte Frage. Für die Pflegeverbände ist klar, dass die Pflege zugänglich und bezahlbar bleiben muss für alle. Brigitte Stahel spricht sich für die Entlastung der Angehörigen aus. In der Analyse und in den Visionen waren sich die Podiumsteilnehmer weitgehend einig: Politisch und gesellschaftlich sei das System als Ganzes zu entlasten, und um das zu erreichen seien alle Beteiligten gefordert. Stricker plädierte für sinnvolle Tätigkeitsfelder damit die Fähigkeiten der alten Menschen lange erhalten bleiben und für einen Generationenvertrag mit neuen Lösungen. «Für die Finanzierung sind bestehende und auch neue Lenkungsabgaben heranzuziehen», so Hannes Stricker. Silvia Tobler fordert eine flexible Pensionierung und auch Teilzeitpensionierungen. «Warum nicht die BVG-Quoten brechen, die die älteren Arbeitnehmer teuer machen?»

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