Katholische Pfarrei Romanshorn
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Archiv der Thurgauer Zeitung vom Samstag 12. April 2003, Oberthurgau

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Theologe mit Liebe zum Boulevard

Blick-Chefredaktor Werner De Schepper sprach auf Einladung der beiden Kirchgemeinden in Romanshorn zum Thema «Helfen Medien die Welt zu verstehen und zu verändern?».

Alois Degenhardt

Romanshorn - Er ist ein Albtraum für jeden Fotografen, denn ruhelos tigert er über die Bühne im Pfarreisaal. Und wer sich auf Diskussionen mit ihm einlässt, hat ebenfalls schlechte Karten: Werner de Schepper ist zwar kein Jesuit, aber immerhin katholischer Theologe, hat Medienwissenschaften und Journalistik studiert, bekennt sich dezidiert zum Boulevardjournalismus - und ist seit 50 Tagen Chefredaktor des «Blick».

Eingeladen war der Vielbeschäftigte von seiner Jugendfreundin Gaby Zimmermann, Pfarreileiterin in der katholischen Gemeinde St. Johannes. Von der ökumenischen Kampagne der Hilfswerke vor Ostern war in der Ankündigung die Rede, vom Verstehen und Verändern der Welt im Zeitalter der Massenmedien. Doch diese Aspekte kamen in der einstündigen, sicher kurzweiligen Plauderei des Besuchers leider nicht zur Sprache. Was sicher nicht ihm anzulasten ist und nur kommentarlos angemerkt sein sollte - selbst wenn sich der Schreibende damit de Scheppers immer wieder geäusserten Vorwurf der Heuchelei aussetzt.

Blick-Bewunderer

Seine Liebe zum jetzt von ihm zu verantworteten Produkt stammt aus Kindertagen im von Roll-Arbeiterquartier in Olten; im Theologischen Seminar mutierte er vom Kritiker zum Bewunderer des Blattes. Als Journalist erlebte er dann auch die ungewollten, negativen Seiten des Enthüllungsjournalismus, als er über die Bischöfe Haas und Vogel, über Christiane Brunner, oder die Ehen des Josef Blatter schrieb. Aus dieser Zeit stammt der Vorsatz, das Opfer einzubeziehen, wenn intime Lebensbereiche die Berichterstattung berühren.

Abzocker entlarven

Keine Skrupel hat er nach wie vor, wenn es gilt gewissenlose Abzocker blosszustellen, auch und gerade wenn sie in der Politik oder den prominentesten Vorstandsetagen zu Hause sind. Im abschliessenden Diskussionsteil schmettert De Schepper Fragen nach dem Fall Bohrer kurzerhand ab, aber wenn es um Täter und Opfer bei Kapitalverbrechen geht, zeigt er ein wenig Flagge. Sein Blatt möchte vor allem auch das Opfer zu Wort kommen lassen, und ein Zuhörer raunt hinter vorgehaltener Hand: «Blick sprach zuerst mit dem Toten.» Als Chef des auflagenstärksten Blattes im Lande plädierte De Schepper dennoch für eine möglichst bunte Blättervielfalt.

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