Katholische Pfarrei Romanshorn
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Das Buch Jesus Sirach, Kapitel 4

Mildtätigkeit

1 Mein Sohn, entzieh dem Armen nicht den Lebensunterhalt / und lass die Augen des Betrübten nicht vergebens warten!
2 Enttäusche den Hungrigen nicht / und das Herz des Unglücklichen errege nicht!
3 Verweigere die Gabe dem Bedürftigen nicht
4 und missachte nicht die Bitten des Geringen!
5 Verbirg dich nicht vor dem Verzweifelten / und gib ihm keinen Anlass, dich zu verfluchen.
6 Schreit der Betrübte im Schmerz seiner Seele, / so wird Gott, sein Fels, auf sein Wehgeschrei hören.
7 Mach dich beliebt in der Gemeinde, / beuge das Haupt vor dem, der sie führt.
8 Neige dem Armen dein Ohr zu / und erwidere ihm freundlich den Gruss!
9 Rette den Bedrängten vor seinen Bedrängern; / ein gerechtes Gericht sei dir nicht widerwärtig.
10 Sei den Waisen wie ein Vater / und den Witwen wie ein Gatte! Dann wird Gott dich seinen Sohn nennen, / er wird Erbarmen mit dir haben / und dich vor dem Grab bewahren.

Der Weg zum Leben

11 Die Weisheit belehrt ihre Söhne, / sie mahnt eindringlich alle, die auf sie achten.
12 Wer sie liebt, liebt das Leben, / wer sie sucht, wird Gott gefallen.
13 Wer sie ergreift, findet Ehre beim Herrn / und wird unter Gottes Segen leben.
14 Der Dienst an ihr ist Dienst am Heiligtum; / wer sie liebt, den liebt der Herr.
15 Wer auf mich hört, wird gerecht richten, / wer mir zuhört, wohnt in meinen innersten Kammern.
16 Hat er Vertrauen zu mir, wird er mich erlangen, / auch seine Nachkommen werden mich besitzen.
17 Denn unerkannt gehe ich mit ihm / und prüfe ihn durch Versuchungen. Furcht und Bangen lasse ich über ihn kommen, / bis sein Herz von mir erfüllt ist.
18 Dann wende ich mich ihm zu, / zeige ihm den geraden Weg und enthülle ihm meine Geheimnisse.
19 Weicht er ab, so verwerfe ich ihn / und überlasse ihn denen, die ihn vernichten.

Die Gottesfurcht im Leben der Gemeinschaft: 4,20 - 18,14

Die echte und die falsche Scham

20 Mein Sohn, achte auf die rechte Zeit / und scheue das Unrecht! Deiner selbst sollst du dich nicht schämen müssen.
21 Es gibt eine Scham, die Sünde bringt, / und eine Scham, die Ehre und Ruhm einträgt.
22 Sei nicht parteiisch, dir selbst zum Schaden, / strauchle nicht, dir selbst zum Fall.
23 Halte zur rechten Zeit dein Wort nicht zurück, / verbirg deine Weisheit nicht!
24 Denn die Weisheit zeigt sich in der Rede / und die Einsicht in der Antwort der Zunge.
25 Widerstreite der Wahrheit nicht; / deiner Torheit sollst du dich schämen.
26 Schäme dich nicht, von der Sünde umzukehren, / leiste nicht trotzig Widerstand!
27 Unterwirf dich nicht dem Toren, / nimm keine Rücksicht auf den Herrscher!
28 Bis zum Tod setz dich ein für das Recht, / dann wird der Herr für dich kämpfen.
29 Sei nicht prahlerisch mit deinen Worten / und schlaff und matt in deinem Tun!
30 Spiel nicht in deinem Haus den Löwen, / vor dem sich deine Knechte fürchten müssen.

Das rechte Verhalten gegen den Besitz

31 Deine Hand sei nicht ausgestreckt zum Nehmen / und verschlossen beim Zurückgeben.